Kinderkrebs um Atomkraftwerke - Früchte der Beharrlichkeit

04.02.03

Am 4.2.03 veröffentlichte die Frankfurter Rundschau in Ihrer Kolummne "Im Blickpunkt" eine aktuelle Zusammenfassung der Auseinandersetzung um die erhöhten Kinderkrebsraten in der Umgebung von Atomkraftwerken mit dem Titel "Neue Krebs-Studie in alten Händen".

Die Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW weist schon seit Jahren auf die Ergebnisse des Wissenschaftlers Dr. Körblein hin, der immer wieder Belege für erhöhte Kinderkrebsraten in AKW-Umgebung findet. Hinweise diese Art wurden bis vor kurzem einfach nicht ernst genommen. Erst die Veröffentlichung einer von der Ulmer Ärzteinitiative initiierten und von Dr. Körblein durchgeführten Arbeit fand 2001 eine öffentliche Resonanz und führte zu einer umfangreichen Protestbriefaktion an die Behörden mit über 10.000 Protestbriefen. Das Ergebnis im Juli 2001: Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) räumte erstmals die Richtigkeit von Körbleins Berechnungen ein und gestand in Verhandlungen mit der IPPNW die Durchführung neuer und abklärender Studien zu. Erst in den letzten Wochen hatte das BfS den offiziellen Auftrag dazu erteilt. Ein Erfolg, wenn auch ein später? Zum einen ja: Einen vergleichbaren Vorgang hat es in der bundesdeutschen Forschung zu AKW-Gefahren bisher noch nie gegeben. Zum anderen noch nicht: Es ist nicht gesichert, dass damit - so wie eigentlich notwendig - "mit einer scharfen Brille" weiter geforscht wird. Das vom beauftragten Mainzer Kinderkrebsregister vorgestellte Studienkonzept ist in dem begleitenden Expertengremium nicht unumstritten. Es "kränkelt an Schwachbrüstigkeit". Konkret: Dem Studienansatz fehlt eine ausreichende statistische Power, um später wirklich aussagekräftig zu sein. Körbleins vorgeschlagene Studienkonzepte "mit schärferer Brille" und höherer Power wurden von der Mehrheit des Gremiums bisher (aus wirklich rationalen Beweggründen?) abgelehnt. Man darf hoffen, dass man sich dort zu einer rationalen Haltung durchringt. In dem Gremium sind zwar für das Umweltinstitut München - Dr. Alfred Körblein und für die IPPNW - der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Dr. Sebastian Pflugbeil vertreten. Beide stellen aber nicht die Mehrheit in dem Wissenschaftsproporz dar.

Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative


Internet

www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/deutschland/?cnt=112919

www.alfred-koerblein.de Dr. Alfred Körblein

www.umweltinstitut.org - Dokumentation der Originalarbeiten von Dr.Körblein

Internationaler und nationaler Überblick weiterer Studien zum Thema durch Reinhold Thiel

www.bfs.de - Jahresbericht 2001/Ausgewählte Einzelthemen - Auf den Seiten 51/52 räumt das BfS mittlerweile fast verschämt ein: -"Fasst man jedoch, wie oben beschrieben, den gesamten Studienzeitraum von 1983-1998 zusammen, so ergibt sich eine statistisch signifikante Erhöhung von 20%"-


Literatur

Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW, aktualisierte Info-Texte unter www.ippnw-ulm.de

Körblein A, Hoffmann W. Childhood Cancer in the Vicinity of German Nuclear Power Plants. Medicine & Global Survival, August 1999, Vol.6: 18-23

Körblein A. Krebsrate bei Kindern im Umkreis bayerischer Kernkraftwerke. Umweltnachrichten 91/2001: 26-28

Ergebnisprotokoll des Treffens 11.07.2001 in Kassel (Original beim Verfasser)

Kaletsch U, Meinert R, Miesner A, Hoisl M, Kaatsch P, Michaelis J. Epidemiologische Studien zum Auftreten von Leukämieerkrankungen in Deutschland. IMSD-Technischer Bericht, Juli 1997

Van Santen F, Irl C, Grosche B, Schötzau A. Untersuchungen zur Häufigkeit kindlicher bösartiger Neubildungen und angeborener Fehlbildungen in der Umgebung bayerischer kerntechnischer Anlagen. BfS-Bericht vom November 1995