Information der Ulmer Ärzteinitiative vom 29.03.2009


Unterstützung für den Zug der Erinnerung (Ulm 20.4.- 22.4.09)

Der Zug der Erinnerung www.zug-der-erinnerung.eu hält vom Montag, den 20.4. bis Mittwoch 22.4.09 auf dem Ulmer Hauptbahnhof auf Gleis 28. Dieser Zug fährt durch Deutschland auf den Spuren vieler zehntauser Kinder, die in der NS-Zeit durch zivile Kommandos der Staatspolizei aus den Wohnungen und Schulen geholt worden waren. Die Kinder wurden dann auf die Bahnhöfe (auch auf den Ulmer Hauptbahnhof) getrieben und mit Waggons der "Deutschen Reichsbahn" in Vernichtungslager "verfrachtet".

Grund: Die Kinder waren aus jüdischem Elternhaus, waren Sinti und Roma oder waren von Eltern, die gegen die Nazis gekämpft hatten. Der Zug der Erinnerung versucht, mit einer Ausstellung, die in zwei Waggons eingerichtet ist, an diese Kinder zu erinnern. Auch aus Ulm konnten bis jetzt 10 Menschen in Erfahrung gebracht und dokumentiert werden, die von hier abtransportiert worden waren.

  1. Suse Barth (* 11.06.1928 in Ulm)
  2. Beate Bärtig (*15.03.1932 in Karlsruhe)
  3. Hanna Chose (*30.04.1927 un Ulm)
  4. Hans Harburger (* 05.11.1931 in Ulm)
  5. Mina Hirsch (* 29.05.1927 in Ulm)
  6. Karl Kahn (*08.05.1932 in Ulm)
  7. Julie Klappholz (*08.02.1930 in Ulm)
  8. Ottilie Klappholz (*14.06.1933 in Ulm)
  9. Max Krippel (*08.11.1928)
  10. Leonore Ullmann (*23.04.1929 in Ulm)

Diese Menschen aus Ulm waren damals Kinder und Jugendliche. Wenn Sie jetzt noch leben könnten, wären Sie jetzt etwa 80 Jahre alt geworden. Ihr Leben wurde aber nach einer Fahrt mit der "Deutschen Reichsbahn" in den Vernichtungslagern der Nazi ausgelöscht. Ihre Fahrt in den Tod begann auf dem Ulmer Hauptbahnhof.

Dass der Zug jetzt im April 2009 im Ulmer Hauptbahnhof anhält, ist der Deutschen Bundesbahn (DB) als Rechtsnachfolgerin der "Deutschen Reichsbahn" alles andere als Recht. Es gab vorher durch die DB in schon vielen Städten zigfache Versuche, diese unliebige Zug-Ausstellung zu verhindern, zu erschweren oder zu verbieten. Nachdem dies auf Grund eines "Bundes-Schienen-Gesetzes" nicht möglich ist, weil dadurch ein freier Schienenzugang zugesichert wurde, versucht die DB dies jetzt über "Nutzungsgebühren" zu regeln. Jede Stunde, in der der Zug auf der Schiene steht, kostet Geld, für jede Ausstellungsstunde verlangt die DB etwa 50 Euro zusätzlich, sogar die Bereitstellung einer Steckdose am Ulmer Hauptbahnhof lässt sich die DB (neben den anfallenden Stromgebühren) noch extra mit 750 Euro "vergolden". Die DB verdient auch "mit voller Gebühr" an jedem Schienen-Kilometer, den der Zug von einer Stadt in die andere fährt.

  • Die "Deutsche Reichsbahn" verdiente an dem Transport der Kinder.
  • Die DB verdient daran Tag für Tag neu, indem sie Gebühren für die Ausstellung "Zug der Erinnerung" erhebt.

Helfen Sie mit, dass der Zug, diese Aufgabe trotz des Widerstandes der DB weiter erfüllen kann, mit einer Spende (steuerlich abzugsfähig) an: DOKU Zentrum Ulm, Kto. 764 9062, Sparkasse Ulm, BLZ 630 500 00, Stichwort "Zug der Erinnerung", (Für die Spendenquittung eine Adresse angeben)

Helfen Sie mit, dass der Zug in Ulm am vormittag des 20.4.09 "gebührend" auf dem Bahnsteig empfangen werden kann. Die Ausstellung im Zug wird vom 20.4 - 22.4.09 von morgens bis abends geöffnet sein. Alle sind dazu herzlich eingeladen.

Für die Ausstellungszeiten sind noch ehrenamtliche Helfer "für die Aufsicht" gesucht. Wer dafür Zeit und Geduld aufbringen kann und mag, sollte sich im DOKU-Zentrum Ulm, Büchsengasse 13 melden. Dort wird diese "Zugbegleitung" organisiert. (Tel 0731-21312, Fax 0731-9214056, Mail info(add)dzok-ulm.de)

Es wäre auch schön, wenn der Zug an diesen drei Tagen auch in Form einen kulturellen Rahmenprogrammes "begleitet" werden würde. Dafür hat sich eine Vorbereitungsgruppe, bestehend aus Aktiven des DOKU-Zentrums, Aktiven der Zug-Organisationsmannschaft, der Ulmer Ärzteinitiative, IPPNW und von einigen anderen engagierten Ulmer Mitbürgerinnen und Mitbürgern bereits einmal getroffen. OB Ivo Gönner hat dazu die Schirmherrschaft zugesagt, Unterstützung wird auch signalisiert von der vh ulm, vom Obscura Filmtheater, aber auch von den anderen Ulmer Filmtheater-Betrieben. Wer sich zur Vorbereitung persönlich mit einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, zum nächsten Vorbereitungs-Treffen am Donnerstag, den 02.04.09 ab 19 Uhr in den Räumen des DZOK in der Ulmer Büchsengasse 13 zu kommen.

Reinhold Thiel,

Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative und Mitglied der Vorstandes der IPPNW