Information der Ulmer Ärzteinitiative vom 27.02.2009


Kinderkrebs-Fachgespräch der Strahlenschutzkommission (SSK) am 26.2.09 in Bonn

Beim Fachgespräch, das die SSK am 26.2.09 anlässlich Ihrer Veröffentlichung der wissenschftlichen Begründung zur Bewertung der epidemiologischen Studie in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) geführt hatte, sind von der Kommission die besorgniserregenden KiKK-Studienergebnisse bestätigt worden: Je näher ein Kleinkind an einem bundesdeutschen Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Gefahr für das Kind, an Krebs und Leukämie zu erkranken. Diese Aussage der KiKK-Studie gilt auch in der Beurteilung der Strahlenschutzkommission als wissenschaftlich bewiesen und als ausreichend plausibel untermauert.

Zum Beispiel erläuterte Prof. Dr. Müller (Essen) in seinen Ausführungen über strahlenbiologische Grundlagen anschaulich Modelle zur Entstehung präleukämischer Zellen, die - wenn logisch zu Ende gedacht - gute strahlenbiogische Erklärungen für einen Strahlungszusammenhang bei den Ergebnissen der KiKK-Studie abgeben könnten. Erstaunlich ist aber, dass die SSK in ihrer Gesamtaussage trotzdem zum Beurteilungsergebnis kommt, dass bei der KiKK-Studie strahlungsbedingte Ursachen definitiv ausgeschlossen werden können.

So erklärte Prof. Wichmann (München) bei der Vorstellung der KiKK-Studie: "Wir verstehen das Ergebnis der KiKK-Studie nicht". und Prof. Michel (Hannover), Vorsitzender der SSK führte in seinem Abschluss-Referat aus, dass die SSK anerkenne, dass Kleinkinder in der Nähe der kerntechnischen Anlagen zwar vermehrt krank würden, aber dass die SSK nicht erklären könne warum. Erstaunlicherweise war sich Michel in seinem Vortrag trotzdem sicher, dass trotz seines Unwissens über Ursachenzusammenhänge er die Strahlung und auch mögliche und noch nicht erkannte Zusammenhänge zu radiologischen Effekten im Niedrigstrahlunglsbereich mögliche Ursache definitiv ausschliesst.

Die Kinder werden in AKW Nähe vermehrt krank. Das hat die KiKK-Studie ausreichend bewiesen und ist allgemein anerkannt. Kein Michel weiss aber warum, aber Michel weiss definitiv, dass es die Strahlung als Ursache nicht sein kann (darf?)

Unerklärlich für die Ulmer Ärzteinitiative bleibt, warum auf dem Teilnehmerverzeichnis des Fachgespräches, zu dem insgesamt 160 Personen geladen waren, neben 32 Vertetern der Atomindustrie und der Atomversicherungsindustrie als Presse-Präsenz nur eine Vertreterin des Deutschen Ärzteblattes und zwei Vertreter der Wissenschafts-Pressekonverenz e.V. zu finden waren. Waren nicht mehr Pressevertreter eingeladen? Oder hatten diese den Weg zum Veranstaltunssaal nicht gefunden? Die SSK hatte die Fachtagung auf der SSK-Website zwar angekündigt, aber den Veranstaltungsort nicht öffentlich benannt.

Als Konsequenz aus dem gestrigen SSK-Fachgespräch fordert die Ulmer Ärzteinitiative Umweltminister Gabriel auf,

  1. die Bevölkerung in der Umgebung der Atomkraftwerke umgehend und sachgerecht über das erhöhte Erkrankungsrisiko aufzuklären. Zum Beispiel sollte nach Meinung der Ulmer Ärzteinitiative bei dem jetzt schon bestehenden Erkenntnisstand aus Vorsorgegründen schwangeren Frauen geraten werden, sich nicht im Nahbereich von Kernkraftwerken aufzuhalten.
  2. noch im Jahr 2009 eine echte und effektive Fachtagung unter Einbeziehung auch von kritischen Wissenschaftlern einzuberufen. Im Gegensatz zur gestrigen Veranstaltung sollten Referenten aller unterschiedlicher Meinungsrichtungen und unter Einbeziehung aller schon in Deutschland vorliegenden Befunde zur Sprache kommen können, es sollte ausreichend Zeit und Raum für kontroverse Diskussionen eingeräumt sein, ausserdem sollte eine gut strukturierte Öffentlichkeitsbeteiligung der Presse- und Medien zur selbstverständlichen Kommunikationsstruktur gehören.

Noch mehr Hintergrundinformation: IPPNW-Stellungnahme zum SSK-Fachgespräch von Reinhold Thiel in PDF >>>

 

Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW