Information der Ulmer Ärzteinitiative vom 18.02.2009


Die alten Zöpfe der Strahlenschutzverordnung abschneiden

Anlässlich der Vorstellung der Beratungsergebnisse der Strahlenschutzkommission (SSK) zur Kinderkrebs-Studie (KiKK-Studie) am 26. Februar 2009 in Bonn macht die Ulmer Ärzteinitiative auf eine veraltete Strahlenschutzverordnung aufmerksam. Nach Meinung der Ulmer Ärzteinitiative müssen jetzt endlich die alten Zöpfe der überkommenen Strahlenschutzverordnung abgeschnitten werden, um für neuere Erkenntnisse Platz zu schaffen.

Gerade die Ergebnisse der aktuellen Studie Kinderkrebs um Kernkraftwerke (KiKK-Studie) bieten eine gute Gelegenheit dazu. Die schon im Dezember 2007 veröffentlichte KiKK-Studie hatte eindeutig bewiesen: Je näher ein Kleinkind unter 5 Jahren am Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Gefahr für das Kind, an Krebs und Leukämie zu erkranken.

Es geht nicht an, dass man - so wie jetzt auch die SSK - einerseits heuchlerisch lamentiert, dass die bisherigen Erkenntnisse des Strahlenschutzes die auffälligen Ergebnisse der KiKK-Studie nicht erklären könnten. Laut SSK würden zur Erklärung von Effekten der KiKK-Studie angeblich ein Strahlungsfaktor von 1000 fehlen. Andererseits ignoriert aber gerade die SSK in Ihrer "Bewertung der epidemiologischen Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken" vom Februar 2009 alle ernstzunehmenden wissenschaftlichen Erklärungsmodelle, die diese angebliche "Lücke von 1000" seriös erklären und schliessen könnten. Das Gerede von "unbekannten Störfaktoren" und von "Zufall" ist an den Haaren herbeigezogen und wissenschaftlich unseriös.

Wer zu dem Thema logisch denkt, der sieht die Zusammenhänge und akzeptiert seriöse Argumente, wie z.B. die Möglichkeit von:

  • falsch gemessenen Nuklid-Emissionen
  • falschen Annahmen zur Nuklid-Verteilung in der AKW-Umgebung
  • falsch aufgestellten biokinetischen Modellen zur Nuklid-Inkorporation
  • einer Unterbewertung der biologischen Effekte inkorporierter Radionuklide
  • falschen und überholten Annahnen zum Dosis-Wirkungs-Verhältnis
  • einer hochwahrscheinlichen erhöhten Strahungsempfindlichkeit von Kleinkindern und noch ungeborenen Kindern

    Mehr Hintergrund-Informationen dazu sind zu finden in einem aktuellen Text zum Thema unter: http://www.ippnw-ulm.de/090217_Thiel_KiKK_SSK.pdf

Spätestens jetzt sollte nach Meinung der Ulmer Ärzteinitiative Bundesumweltminister Gabriel endlich seiner Verpflichtung nachkommen und einerseits Rahmenbedingungen zur Veränderung der Strahlenschutzverordnung herstellen und anderseits dafür zu sorgen dass die betroffene Bevölkerung über die erhöhte Erkrankungsgefahren bei Kleinkindern in der Nähen von Atomkraftwerken sachgerecht aufgeklärt wird.

Denn auch bei allem Streit um wissenschaftliche Detailfragen um Ursachen darf die schon bewieseneTatsache nicht vergessen werden:

Je näher ein Kleinkind unter 5 Jahren am Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist die Gefahr für das Kind, an Krebs und Leukämie zu erkranken.

 
Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW