Information der Ulmer Ärzteinitiative vom 21.08.08


Kinderkrebs um Atomkraftwerke

Nach Wissen der Ulmer Ärzteinitiative hat die beharrliche Informationsarbeit der IPPNW das erste Mal seinen Niederschlag in einem Jahresbericht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) gefunden. Auf Seite 11 findet sich bei der Darstellung des Themas Kinderkrebs um Atomkraftwerke im ersten Aufsatz des Jahresberichts HÄUFIGKEIT VON KREBS BEI KINDERN IN DER UMGEBUNG VON DEUTSCHEN ATOMKRAFTWERKEN – DIE KIKK-STUDIE Frequency of Childhood Cancer in the Vicinity of German NPPs – The KiKK Study folgendes Zitat: - " Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) bestätigen die sorgfältige Durchführung der Studie, kritisieren aber deren Darstellung durch das Deutsche Kinderkrebsregister, insbesondere in Bezug auf die attributiven Risiken und die Erklärung der Ergebnisse. Nach Vorliegen der Ergebnisse sehen die IPPNW jetzt die Zeit zu handeln. Die IPPNW fordern eine Überprüfung der heutigen Praxis der Emissionsmessungen, eine kritische Prüfung der bisherigen Annahmen zur Strahlenempfindlichkeit, insbesondere von Ungeborenen und Kleinkindern, der aus den bisherigen Annahmen zum Strahlenrisiko abgeleiteten Emissionsgrenzwerte sowie eine Ausweitung der KiKK-Studie auf ältere Kinder und Erwachsene. Außerdem regen sie an, die Daten der KiKK-Studie getrennt nach Reaktortypen auszuwerten. " - Zitat aus dem Jahresbericht 2007 den Bundesamtes für Strahlenschutz Seite 11 - http://www.bfs.de/de/bfs/druck/jahresberichte/jb2007_komplett.pdf

Darüber hinaus wird auf den Seiten 5 und 6 des BfS-Jahresberichtes 2007 ausführlich dargestelt, auf Grund welcher "gesellschaftlicher Kräfte" und welcher "politischer Auseinandersetzung" das BfS im Jahr 2001 den Entschluss gefasst hatte, die Kikk-Studie "auf den Weg zu bringen".

Zur Erinnerung Die Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW hatte im Jahr 2001 mit Hilfe einer massiven Presse- und Informationskampagne Reanalysen von Dr. Körblein, (damals Umweltinstitut München) puplik gemacht, die signifikant erhöhte Kinderkrebsraten im Nahbereich bayerische Atomkraftwerke nachgewiesen hatten. Die höchste Kinderkrebsrate wurde damals um das Atomkraftwerk Gundremmingen gefunden. Erst auf Grund dieser massiven Informationskampagne der IPPNW und nach über 10.000 Protestbriefen und Unterschriften hatte das BfS im Juli 2001 bei einem "Krisengespräch" zwischen BfS, IPPNW und Umweltinstitut München Körbleins Befunde offiziell anerkannt und danach die o.g. KiKK-Studie in Auftrag gegeben. Das Hauptergebnis der dann im Dezember 2007 veröffentlichten KiKK-Studie war, dass Kleinkinder unter 5 Jahren, die näher an deutschen Atomkraftwerken wohnen, häufiger an Krebs und Leukämie erkranken als Kleinkinder, die weiter von Atomkraftwerken entfernt wohnen.

Dank an alle, die 2001 bei der Protestkampagne mitgeholfen haben Die Ulmer Ärzteinitiative bedankt sich an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei allen Menschen, die 2001 bei dieser massiven Protestkampagne mitgeholfen haben. Erst dieser öffentliche Druck im Jahr 2001 hatte für die strahlenbiologische Forschung in Deutschland einen deutlichen Erkenntnisgewinn ermöglicht.

Die Ulmer Ärzteinitiative fordert 2008 ein Ende der langen Bank in der politischen Umsetzung Leider hat nach Veröffentlichung der KiKK-Studie durch eine lähmende politische Entscheidung des Bundesumweltministers Gabriel der weitere Erkenntnissprozess eine empfindliche Verlangsamung erlitten. Gabriel hatte im Dezember 2007 nach Kenntnisnahme der KiKK-Ergebnisse die Befunde lediglich der Strahlenschutzkommission "zur Überprüfung" gegeben und keine weiteren Massnahmen angeordnet. Die Ergebnisse der SSK-Überprüfung "ruhen" aber dort immer noch hinter verschlossenen Türen. Nach Meinung der Ulmer Ärzteinitiative sollten die KiKK-Ergebnisse aber umgehend unter Einbeziehung aller anderen schon vorhandenen Erkenntnisse in einer fachöffentlichen Diskussion erörtert werden, um den allgemeinen Erkenntnissprozess weiter zu bringen.

Unterschriftenaktion auch online Wir fordern deshalb "ein Ende der langen Bank hinter verschlossenen Türen" und rufen weiterhin zusammen mit der IPPNW zu einer Unterschriftenaktion an Umweltminister Gabriel auf. Details dieser Aktion, die auch online durchgeführt werden kann, sind zu finden unter www.ippnw-ulm.de

Informationsveranstaltungen zum Thema Kinderkrebs um Atomkraftwerke

Mittwoch 27.08.08 - 20 Uhr - 89551 Aichach, Gasthaus Specht, Stadtplatz 43 Referent: Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Veranstalter: SPD-Aichach-Friedberg

Samstag 28.09.08 - 10 Uhr - 18:30 Uhr - Berlin, Charite- Universitätsmedizin, Campus Virchow Klinikum Symposion Umweltmedizin: Evidenz-Kontroverse-Konsequenz Referenten: Prof. E.Greiser, Prof. W. Hoffmann, Prof. S. Wing, Pr. I.Schmitz-Feuerhake, Dr. S. Pflugbeil, O.Schumacher, Dr. K.. Hinrichsen, Dr.I.Fairlie, Dr. A. Körblein, Dr.H.Scherb, Dr.K.Sperling. Dr.R. Kaatsch (angefragt). D.Gee, Veranstalter: Gesellschaft für Strahlenschutz mit Unterstützung des Institust für Humangenetik der Charite Berlin

Dienstag 07.10.08 - 20 Uhr - 89407 Dillingen, Stadtsaal am Kolpingsplatz Referent: Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Veranstalter: Kath Erwachsenenbildung und Ev. Bildungswerk

Samstag 08.11.08 - 14-18 Uhr - Darmstadt, Mollerbau Referenten: Dr. A. Claussen, Prof. E.Greiser, Dr. A. Körblein, Prof. E. Lengfelder, R. Thiel Veranstalter: IPPNW und BUND Regionalverband Hessen

Samstag 22.11.08 (und evt. So 23.11.08) - Augsburg, Diakonissenhaus Referenten: Dr. A. Körblein, Prof. E. Lengfelder, R. Thiel, NN. Veranstalter: IPPNW und Verein FORUM, Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik

mit freundlichen Grüßen

Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW