Information der Ulmer Ärzteinitiative vom 23.07.2007
Kinderkrebs um Atomkraftwerke
Eine neue US-Studie liefert weitere Hinweise auf Strahlen-Gefährdung durch AKW-Betrieb
Die Ulmer Ärzteinitiative wird in ihrem jahrelangen Engagement, auf saubere Forschungen zu bestehen, weiter bestätigt
Die Ergebnisse der großen deutschen Fallkontrollstudie zum Thema Kinderkrebs um AKW sind schon lange überfällig
Ulm - Die Ulmer Ärzteinitiative (IPPNW) weist schon seit Jahren darauf hin, dass in der Umgebung von Atomkraftwerken Kleinkinder vermehrt an Krebs und Missbildungen erkranken. Dies wird jetzt durch eine neue US-Studie bestätigt, die in der letzten Woche im European Journal of Cancer Care veröffentlicht wurde.
In einer großen Metaanalyse, in der Daten von insgesamt 17 internationalen Studien aus Deutschland, aber auch aus Spanien, Frankreich, Japan und Nordamerika der Jahre 1984 -1999 eingeschlossen worden waren, beweist Prof. Baker et al. ein erhöhtes Leukämierisiko in AKW-Nähe nach. Die Mediziner der Universität South Carolina fanden bei Kindern in der Altersgruppe bis neun Jahren ein Risiko, an Leukämie zu erkranken, das je nach Entfernung um 14 bis 21 Prozent erhöht ist. Bei allen untersuchten Menschen bis zum Alter von 25 Jahren war die Erkrankungswahrscheinlichkeit immer noch um 7 - 10 Prozent gesteigert und die Sterberate um 2 - 18 Prozent. "Wir sehen uns in unserem jahrelangen Engagement, auf eine saubere Krebsforschung in der Umgebung von Atomkraftwerken zu bestehen, bestätigt." - so Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW.
Zur Erinnerung: In einer 2001 von der Ulmer Ärzteinitiative initiierten und von Dr. Körblein (Umweltinstitut München e.V.) durchgeführten Studie zeigten sich signifikant erhöhte Kinderkrebsraten im Nahbereich von bayerischen Atomkraftwerken. Am höchsten war die Kinderkrebsrate um das Atomkraftwerk Gundremmingen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden zunächst von den Behörden nicht ernst genommen. Erst nach massiver Öffentlichkeitsarbeit durch die Ulmer Ärzteinitiative und die IPPNW, einhergehend mit über 10.000 Protestbriefen an Aufsichtsbehörden und Politiker erklärte sich das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bereit, diese besorgniserregenden Befunde anzuerkennen und umfangreiche epidemiologische Studie in Auftrag zu geben, um die Ursachen der erhöhten Kinderkrebsraten zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Studie sind seit einem Jahr überfällig. Die Veröffentlichung hatte das BfS der IPPNW primär für 2005 zugesagt, sie verzögerte sich aber bis jetzt Jahr für Jahr. Nach letzten Informationen soll die Studie erst im Frühjahr 2008 veröffentlicht werden.
Sollte auch die neue Studie, die alle deutschen Atomkraftwerke und einen langen Zeitraum (1980-2003) umfasst, Körbleins Befund eines erhöhten Krebsrisikos im Umkreis von Atomkraftwerken bestätigen, so müssen nicht nur die bisher bestehenden Emmissionsgrenzwerte massiv gesenkt werden. Atomkraftwerke, die die neuen Grenzwerte nicht einhalten, müssen dann vom Netz gehen.
Quelle: Baker P.J. & Hoel d.G. (2007) European Journal of Cancer Care 16, 355-363, Meta-analysis of standardized incidence and mortality rates of childhood leukaemia in proximity to nuclear facilities Abstract >>>>
Internet
- Mehr zum Thema bei der Ulmer Ärzteinitiative >>>>
- IPPNW www.ippnw.de
- Dr. Alfred Körblein www.alfred-koerblein.de
- Münchner Umweltinstitut www.umweltinstitut.org
- Bundesamt für Strahlenschutz www.bfs.de
Reinhold Thiel, Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW