famulieren & engagieren

von Regina Lange, Medizinstudentin,Universität Ulm, Studenten-Ansprechpartnerin in der IPPNW

Regina Lange - rechts

famulieren & engagieren, auch kurz f&e genannt, ist ein Studienprojekt der IPPNW,
das Studenten ermögliche, sich neben einer Famulatur in den verschiedensten Teilen dieser Welt,
in einem Sozialprojekt zu engagieren.

IPPNW steht für Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Diese Organisation wurde 1980 von einem russischen und einem amerikanischen Arzt als Antwort auf den kalten Krieg und seine atomare Abschreckungspolitik gegründet. Auch heute setzt sich die IPPNW in 80 Ländern für eine menschliche Medizin, Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt ein, die immer wieder Schauplatz von Kriegen, Inhumanität und atomarer Bedrohung ist. Als Auszeichnung für ihr Engagement erhielt die IPPNW 1984 den UNESCO Friedenspreis und 1985 den Friedensnobelpreis. Die deutsche Sektion trägt die Zusatzbezeichnung „Ärzte in sozialer Verantwortung“. Zu ihrem Arbeitsgebiet gehört neben der Oeffentlichkeitsarbeit über Chancen und Risiken der Gentechnik und ihrer ethischen Bedenklichkeit, die kritische Auseinandersetzung mit der Fluechtlingsfrage in Deutschland, der Problematik des Nord-Sued-Gefaelles, der Atomenergie mit ihren gesundheitliche Risiken, und vieles mehr, was nicht nur Angelegenheit der „Großen und Mächtigen“ sein sollte. Dazu gibt es bundesweite Arbeitskreise, nationale und internationale Kongresse sowie Publikationen und Zeitungen. Aber natürlich ist das nicht nur etwas für Ärzte sondern auch für Medizinstudenten. Für sie gibt es u.a. die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Studierendentreffens über die Arbeit der IPPNW zu informieren, an Workshops teilzunehmen, oder als Redakteur beim Amatom mitzuarbeiten. Einer Zeitung von und für kritische Medizinstudenten, die einmal pro Jahr erscheint und sich kritisch mit aktuellen Problemen auseinandersetzt und über die Arbeit der IPPNW informiert. Dort Können auch Erfahrungsberichte über Auslandsfamulaturen nachgelesen, oder diese in der Berliner Geschäftsstelle (Ulla Gorges) angefordert werden. Der Amatom ist kostenlos in der Fachschaft erhältlich. Eine Leseprobe gibt es auch im Internet unter www.ippnw.de/Studium/amatom.htm . Dort könnt Ihr auch noch mehr über Studententreffen, Studierendengruppen etc. erfahren.

Für all die Studies, die an einem Auslandsaufenthalt interessiert sind, der neben einer Famulatur auch die Möglichkeit eines tieferen Einblicks in das Land, seine Sitten, Bräuche, aber auch Probleme bietet, gibt es das Projekt f&e, das euch die Möglichkeit bietet, sich im Anschluß an eine Famulatur in einem Projekt sozial zu engagieren. Die Art des Engagements hängt von dem Projekt ab, für das ihr Euch bewerbt, aber auch sehr stark von Eurer Eigeninitiative und der Art wie Ihr Euch einbringt. Pro Jahr werden ca.10 Medizinstudenten in das Ausland geschickt. Vor Ort sind Mitarbeit in Klinik und Projekt organisiert und Ansprechpartner/innen stehen zur Verfügung. Soweit möglich werdet Ihr in Gastfamilien untergebracht, ansonsten sind die Ansprechpartner bemüht, eine preiswerte Unterkunft für Euch zu organisieren. Mitglieder der IPPNW erhalten einen Fahrtkostenzuschuss, Nichtmitglieder können einen Antrag auf finanzielle Unterstuetzung stellen. Die Famulatur findet an Lehrkrankenhaeusern statt, so daß es i.R. keine Schwierigkeiten mit der Anrechnung gibt. Auf Grund der instabilen politischen Lage in manchen Ländern können manche Projekte nicht fortlaufend angeboten werden. Dafür kommen immer wieder neue Projekte dazu. Im Sommer 2001 wurden folgende Projekte angeboten: Japan: Arbeit mit Strahlenopfern, Belgrad: zivile Konfliktforschung, Hamilton / Kanada: Friedens- und Konfliktforschung, Ahmedbad / Indien: public health, Chipita / Malawi: Aids-Station, Tel Aviv / Israel: Begegnung mit Überlebenden des Holocaust, Boston / USA: Mitarbeit in der internationalen IPPNW, Nepal Mitarbeit: in einem abgelegenen Gesundheitscamp, Bukarest /Rumänien: Arbeit mit Strassenkindern, Izmir / Türkei: Mitarbeit in einer lokalen Menschenrechtsorganisation, in Planung sind weitereProjekte, z.B. in einem Schilddruesenzentrum in Gomel / Weißrußland und Südamerika.

 

Voraussetzungen für eine Bewerbung:

Physikum, wobei die Note nicht entscheidend ist, ausschlaggebend ist der Gesamteindruck den Ihr und Eure Bewerbung macht und die Intention mit der Ihr Euch für ein Projekt im Rahmen von f&e bewerbt. Von euch wird politisches Interesse, soziales Engagement, Offenheit für andere Kulturen und gute Englischkenntnisse erwartet. Schickt eine schriftliche Bewerbung mit einer kurzen Begründung Eurer Projektwahl an die IPPNW- Geschäftsstelle /Berlin. Es ist nicht nötig, daß Ihr schon Erfahrungen in dem Bereich Eures Wunschprojektes gemacht habt. Eine Gruppe aus ehemaligen Projektteilnehmern und dem IPPNW –Vorstand wählt aus den eingehenden Bewerbungen einen Teil aus und lädt diese zu einem Vorstellungstermin nach Berlin in die Geschäftsstelle ein. Von den eingeladenen Bewerbern werden ca. 10 Studenten ausgewählt, da zur Zeit nur 10 Projektplätze zur Verfügung stehen. Bei der Auswahl ist u.a. entscheidend, wie gut der Bewerber in das von ihm gewünschte Projekt paßt. Die Projektteilnehmer treffen sich vor Famulaturbeginn zu einem Vorbereitungstreffen. Im Anschluß an eine Famulatur findet ein Nachbereitungstreffen in Berlin statt, bei dem die Bewerber ihre Erlebnisse und neu gewonnen Erfahrungen austauschen können. Von jedem Teilnehmer wird ein Erfahrungsbericht verlangt. Weitere Informationen gibt es unter www.ippnw.de oder bei Ula Gorges gorges@ippnw.de

Das Projekt f&e soll auch ausländischen Studenten die Möglichkeit geben, in Deutschland zu famulieren und sich zu engagieren. Im Sommer 2001 hat Hasan Hasani, ein Albaner aus Mazedonien in Frankfurt/Main an dem Projekt teilgenommen. Im Anschluß an seine Famulatur hat er am Frankfurter Flughafen Menschen betreut, die auf ihre Einreise warteten. Seinen Erfahrungsbericht ist in der aktuellen Amatomausgabe (2001) zu lesen: “Es ist ein wunderbares Gefühl, Teil einer Gruppe von Medizinern zu sein, die nicht nur ihre „heilenden Hände auflegen“, sondern auch ihren Einfluß und ihre Autorität nutzen, Kriege, Hungern und gegenseitiges Töten zu verhindern. Und ich habe gelernt, daß wir als Ärzte weit mehr tun können, um den hippokratischen Eid zu folgen, als nur Medikamente zu geben und Patienten zu pflegen.“ Leider gibt es in Deutschland für ausländische Studenten noch sehr wenig Möglichkeiten sich in sozialen Projekten zu engagieren. Doch gerade in letzter Zeit wird immer deutlicher wie wichtig der interkulturelle Austausch ist, um falsche Ängste und Vorurteile abzubauen. Wer Spaß und Interesse daran hätte, in Zusammenarbeit mit der IPPNW und der Ulmer Regionalgruppe den Aufenthalt von ausländischen Studenten speziell in Ulm zu organisieren und diese während ihres Aufenthaltes vor Ort zu betreuen kann, sich an mich (Regina Lange) wenden. Dies gilt natürlich auch für Fragen über die IPPNW, den Amatom und das Projekt f&e … Es wäre schön, wenn es uns gelingen würde, das Projekt f&e aufrechtzuerhalten und zu erweitern.: „Mit Menschen verschiedener Kulturen zusammen zu sein, hat mich viel gelehrt. Ich habe den Eindruck das dies ein Anfang einer Gemeinsamkeit sein wird, die auch in Zukunft besteht. Und ich wünsche mir, daß dieses Austauschprojekt auch in Zukunft fortgesetzt wird, denn es ist wertvoll für uns alle.“ (Hasan Hasani) Möge uns gemeinsam der Gedanke, anderen hilfreich zu sein, tragen.

Regina Lange - Mail: aniger_egnal@web.de