Archivdatei zum Thema Jodblockade und Katastrophenschutz bei atomaren Unfällen:
Reinhold Thiel, Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW, Frühjahr 2004
Zentrale Jodlager und Verteilung
AKW-Betreiber, Bund und Länder in der BRD lagern voraussichtlich ab Herbst 2004 das hochdosierte Jod zentral und unter Verschluss - verteilt auf 7 Lager in Deutschland und verpackt in 500-er Grosspackungen a 6 Blister. Die Lager liegen in Wunstorf, Cloppenburg, Eggenstein-Leopoldshafen (Nähe Karlsruhe), Kempten im Allgäu, Mallersdorf (Nähe Regensburg), Nähe Neumünster und in der Nähe von Würzburg.
Im Fall einer atomaren Katastrophe soll das Jod von dort erst im letzten Moment per Hubschrauber in die Katastrophenregionen verbracht werden. Nach Landung der Hubschrauber sollen die Packungen mit Hilfe von Feuerwehr und Technischen Hilfswerk an die Apotheken der Region gefahren werden. Dorthin sollen dann die Betroffenen Menschen gehen, um sich Ihre Jod-Packungen abzuholen.
Das Jod schützt aber nur wirkungsvoll, wenn es vor dem Eintreffen der radioaktiven Wolke eingenommen wird.
Zu Befürchten ist, dass gerade, wenn die radioaktive Belastung durch das Land zieht, die Menschen auf dem Weg in Ihre Apotheken sind. Um sich in dieser hochsensiblen Zeit vor radioaktiver Kontamination zu schützen müsste man sich sicher in geschlossenen Räumen aufhalten - Fenstern und Türen möglichst schon abgedichtet.
Ein sinnvoller Schutz könnte durch eine Vorabverteilung des Jods an alle Haushalte erreicht werden, wie es in Österreich schon seit Jahren praktiziert wird. Dies ist in Deutschland nur im 5-km-Radius um die Atomkraftwerke vorgesehen. Eine atomar verseuchteWolke wird sich bei einem Unfall allerdings kaum an den von den Planern vorgesehenen 5-km-Radius halten.
Die zentrale Lagerung der Jodtabletten verhindert einen effektiven Schutz. Sie ist lediglich kostengünstiger (für die Atomindustrie).
Dabei darf nicht vergessen werden: Jod kann nur vor einer von vielen möglichen Erkrankungen schützen, vor Schilddrüsenkrebs schützen. Eine umfassende "Strahlenschutztablette" gibt es nicht. Der einzig wirkungsvolle Schutz vor atomaren Gefahren ist und bleibt das Abschalten der Reaktoren.