JUFFU - Jugend für Frieden Ulm
Text 030421
Beitrag der Jugend für Frieden Ulm zum Ostermarsch 2003 bei der Kundgebung am Moltke-Denkmal, Ecke Frauenstraße/Olgastraße
|
Gleich zu Beginn befestigen Anja und Karsten das Transparent mit dem Brecht-Zitat am Denkmal: Was Albert Einstein (geboren 1879 in Ulm) über Militarismus dachte: Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Hirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen! Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord." Albert Einstein |
Sprecher 1 Liebe Ostermarschierer! Wir befinden uns hier an einem Denkmal zu Ehren von Kaiser Wilhelm den Ersten, Reichskanzler Bismarck, und Generalstabschef Graf von Moltke. Zuerst ein paar Informationen über Moltke: Der preußische und deutsche Generalstabschef Helmut Karl Bernhard, Graf von Moltke wurde am 26. Oktober 1800 in Parchim geboren und starb am 24. April 1891 in Berlin. Seine Ernennung zum preußischen Generalstabschef fiel in die Ära von Otto von Bismarck, eine Zeit die Europa veränderte. Moltke war der erste Militarist, der die Rolle der Eisenbahn für die Armee bezüglich Beweglichkeit und Nachschub schätzte, und er entwickelte eine neue Technik der Kriegsführung. Die neue Kriegstechnik wurde erstmals gegen Dänemark und Österreich sowie andere deutsche Staaten eingesetzt und führte zu einem überragenden Sieg der preußischen Armee. Moltkes Sieg über Frankreich im Jahre 1870 verursachte den Zusammenbruch des Zweiten Französischen Kaiserreichs unter Napoleon III. Nach dem Sturz Napoleons III ging der Krieg in einen Eroberungskrieg über, in dessen Verlauf sich Preußen das rohstoffreiche Elsass-Lothringen annektierte. Die Führer der deutschen Arbeiterbewegung August Bebel und Wilhelm Liebknecht organisierten einen Widerstand dagegen und wurden deshalb verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat für drei Monate inhaftiert. Zum Andenken an diese Siege wurden Moltke und Bismarck in vielen Städten Denkmäler wie dieses gesetzt. Wir haben uns über Moltke ein wenig informiert. Und sind auf dieses Zitat gestoßen:
Sprecher 2 »Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ein Glied in Gottes Weltordnung. In ihm entfalten sich die edelsten Tugenden des Menschen, Muth und Entsagung, Pflichttreue und Opferwilligkeit mit Einsetzung des Lebens. Ohne den Krieg würde die Welt im Materialismus versumpfen.«
Sprecher 4 Von Wilhelm I haben wir kein passendes Zitat, aber von seinem Nachfolger Wilhelm II, und der hat diese Einstellung bestimmt von seinem militaristischen Vater übernommen
Sprecher 2 Zitat des Sohnes, Wilhelm II (1891): "Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, daß Ich euch befehle, eure eigenen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen - aber auch dann müßt ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen."
Sprecher 1 Die Kriege dieser Epoche gingen vor allem von den Königshäusern und dem mit ihnen verbündeten Bürgertum aus. In Deutschland unterstützten die Vertreter der Arbeiterbewegung August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Krieg nicht:
Sprecher 3 August Bebel und Wilhelm Liebknecht : Erklärung im Reichstag , als die Kredite für den Krieg gegen Frankreich 1870 bewilligt werden sollten. "Als prinzipielle Gegner jedes dynastische Kriegs, als Sozialrepublikaner und Mitglieder der Internationalen Arbeiterassoziation, die ohne Unterschied der Nationalität alle Unterdrücker bekämpft, alle Unterdrückten zu einem großen Bruderbund zu vereinigen sucht, können wir uns weder direkt noch indirekt für den gegenwärtigen Krieg erklären und enthalten uns daher der Abstimmung, indem wir die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, dass die Völker Europas, durch die jetzigen unheilvollen Ereignisse belehrt, alles aufbieten werden, um sich ihr Selbstbestimmungsrecht zu erobern und die heutige Säbel- und Klassenherrschaft, als die Ursache aller staatlichen und gesellschaftlichen Übel, zu beseitigen."
Sprecher 1 Seitdem sind 130 Jahre vergangen. Auf dem Denkmal steht heute noch eine Inschrift.
Sprecher 4 Die Inschrift lautet: Der Gegenwart zur dankbaren Erinnerung Der Zukunft zur Nacheiferung Den Gefallenen zum ehrenden Gedächtnis Ihren tapferen Söhnen - die dankbare Vaterstadt
Sprecher 1 Der Zukunft zur Nacheiferung?? Ich möchte euch jetzt auffordern, hier übers Mikrophon eure Meinung zu diesen Sprüchen zu sagen. Fühlt ihr euch angesprochen: Der Zukunft zur Nacheiferung?
1. Bebel und Liebknecht waren Vordenker der Völkerfreundschaft , eines vereinten Europas und Gegner des Militarismus. Wir haben eine Wilhelmsburg, eine König-Wilhelmstraße, eine Moltke- und eine Sedanstraße, die alle den preußischen Militarismus ehren. Warum haben wir kein Denkmal für August Bebel und Wilhelm Liebknecht ???
2. Mir gefällt dieses Zitat von Albert Einstein, das diese preußischen Militaristen treffend kritisiert: "Wenn einer mit Vergnügen in Reih und Glied zu einer Musik marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Hirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen. Heldentum auf Kommando, sinnlose Gewalttat und leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen! Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord."
In den 130 Jahren hat sich vieles verändert, auch zum Positiven natürlich. Zum Beispiel hat es in der Geschichte noch nie eine weltweite Friedensbewegung gegeben wie diese. Trotzdem ist dieser Geist des Militarismus und Imperialismus heute noch nicht überwunden. Schon der Krieg 1870/71 war auch ein Eroberungskrieg um Rohstoffe. Die deutsche Industrie riss das eisenerzreiche Elsass-Lothringen an sich. Moltke, Wilhelm I und Bismarck stehen für die Methode der Aggression nach außen und Reaktion nach innen. Das kommt uns bekannt vor. Wenn 1871 als der Vorabend des Imperialismus bezeichnet wird, wo befinden wir uns dann jetzt nach diesem dritten Golfkrieg innerhalb von 2 Jahrzehnten? Und wer sind die Moltkes von heute? Ist es der frühere CIA-Direktor Woolsay?
Sprecher 2 Aus den Stuttgarter Nachrichten vom 19.4. "Der frühere CIA-Direktor Woolsey ist einer der führenden Neokonservativen in Washington, seine Freunde und Geistesverwandten sitzen in der Regierung, und sie denken ganz ähnlich wie er: Der Irak-Krieg war nur der Anfang. Jetzt geht es weiter - und um viel mehr. "Demokratischer Imperialismus" nennt man in den USA diese Denkschule, die etwas ganz anderes im Sinn hat als irakisches Öl und amerikanische Sicherheitsinteressen. Das Ziel ist eine neue Weltordnung, in der unter amerikanischer Führung die arabischen Länder notfalls mit Gewalt demokratisiert und gefährliche Regime rund um den Globus gestürzt werden sollen. Der Sturz Saddams war da nur die Probe aufs Exempel.
Sprecher 1 Ist diese neue Weltordnung das was die Jugend sich für die Zukunft wünscht? Ganz bestimmt nicht! Die Jugend für Frieden Ulm, die diese Station gestaltet hat, macht weiter Friedensarbeit.. Unsere nächsten Projekte sind eine eigene Homepage, eine Ulmer Friedenszeitung und Bildungsabende. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Wir treffen uns wöchenrtlich Donnerstag 19 Uhr im Oberen Donauturm an der Schillerstraße. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!